Der Fluch mit den Urlaubsfotos – Eine moderne Foltermethode?
Wer eine Reise macht, der kann viel erzählen und da ja Bilder mehr sagen als tausend Worte, werden auch Fotos gemacht. Man möchte ja auch zeigen, wie gesehen hat. So werden im Urlaub fröhlich viele Bilder geknipst, die nur darauf warten in einem Fotobuch Freunden und Bekannten mit voller stolz zu präsentiert zu werden.
Wie war das noch damals?
Als man noch analog Fotografierte musste man noch teuer Filmrollen á 24 oder 36 Aufnahmen kaufen. Damit war es aber nicht getan. Die Bilder mussten noch entwickelt werden, was noch weitere Folgekosten nach sich zog. Die Bilderflut der Urlaubsbilder war somit noch überschaubar, aber es hat auch schon gereicht um Familie und Verwandte damit zu langweilen und zu nerven.
Wurde zum Diaabend geladen, so überkam dem ein oder anderen schon der Schauer und man ist nur widerwillig hin gegangen. Ein Diamagazin nach dem anderen wurde in den Projekt geschoben und wenn man schon dachte, dass es nun endlich vorbei sei, dann wurde gleich noch ein weiteres nachgeladen :pistolen:
Es gab keine Gnade und so hat man versucht so interessiert wie möglich zu wirken und nicht einen qualvollen Tod der Langeweile zu sterben
Und wie ist es heute?
Wer damals dachte, dass es nicht mehr schlimmer geht, der wurde schnell eines anderem belehrt. Mit der Verbreitung der Digitalkameras nahm auch rasant die Anzahl der Urlaubsbilder zu. Nachdem Kauf der Digitalkamera kommen ja keine Folgekosten mehr für Film und Entwicklung hinzu. Auch für die Archivierung braucht man keine Schrankwände mehr, wo die Diamagazine gelagert werden müssen.
Eine externe Festplatte reicht aus und bei den aktuellen Speicherpreisen braucht man sich da keiner Sorgen machen, dass der Platz nicht reicht. So werden Bilder geschossen als gäbe es kein Morgen mehr. Alles was vor die Linse kommt wird fotografiert. Viele machen sich kaum Gedanken über das Motiv und schaltet auf Dauerfeuer. Nicht selten kommen so tausende von Fotos zustande
Weniger ist mehr
Aber was bringt es einem tausend Fotos zu haben? Wenn man ganz ehrlich zu sich ist tut man sich damit selber auch keinen gefallen und in ein paar Jahren sammelt sich so ein unübersichtliches Archiv an.

Wie bekommt man aber den am besten die Bilderflut der Urlaubsbilder in den Giff?
Ich habe mir angewöhnt mich an folgende Regeln zu halten:
- Nicht gleich am ersten Tag jedes Eck im Urlaubsort fotografieren. Man ist ja noch ein paar Tage vor Ort und kann sich so lange genug überlegen, wie man Attraktionen am besten in Szene setzt
- Selbstbeherrschung und sich nicht dazu verleiten lassen alles mögliche zu fotografieren.
- Sich lieber zweimal überlegen, ob es sich lohnt das Motiv zu fotografieren.
- Einfach mal kreativ sein. Standardbilder, wie sich irgendwo davor stellen ist langweilig und kommt nicht gut an.
- Perspektiven ausprobieren. Motive können damit viel interessanter wirken.
- Schnappschüsse sind erlaubt, denn manchmal entsteht das beste Bild zufällig. Aber auch gleich wieder löschen, wenn sie doch nichts geworden sind.
- Zuhause kritisch die gemachten Fotos aussortieren. Ein gut gemachtes Foto sagt öfters mehr aus als 30 schlecht gemachte.
- Fotos die noch nicht optimal sind mit einem Bildbearbeitungsprogramm aufpeppen
Ich muss zugeben, dass ich mich auch oft erwische, wie ich so machen Regel dann doch mal breche und dazu hingerissen werde viele unnötige Fotos zu machen. Aber mit ein bisschen Selbstdisziplin bleiben so nach einem 2 wöchigen Urlaub zwar immer noch viele Bilder übrig, aber man steigert damit die Qualität der Urlaubsfotos ungemein.
Somit kann man auch sicher sein, dass die Präsentation der Urlaubsbilder gut ankommt und das Publikum sich immer wieder freut, wenn man wieder ein paar neue Urlaubsbilder zeigt :woot:

Fotos auf DVD gebrannt und ab zu den Freunden und Angehörigen damit, dann kann jeder selbst entscheiden ob er sie sich antut oder nicht :pistolen: und wenn man dann irgendwann bei nen schönen Beisammensein auf die Fotos zu sprechen kommt und keiner sie sich angeschaut hat, weiß man, man muss was besser machen das nächste mal
Lieben Gruß
Sven
Tja, das ist auch bei mir so eine Sache. Ich fotografiere meistens ebenfalls viel zu viel, aber hinterher eine Auswahl zu treffen ist dann auch schwer.
Aber Diaabende – gibts das echt noch? Ich lade die besten Fotos auf mein Blog, Flickr oder Facebook, dann kann sie jeder anschauen… oder eben wenn mal Freunde da sind kurz auf dem MacBook. Ich mache mir da dann immer eine schöne iPhoto-Diashow aus den besten Bildern, und bis jetzt habe ich damit glaube ich noch niemanden gelangweilt.
Vor ein paar Monaten habe ich mir eine neue Kamera gekauft. Und gleich gings los. Klick, klick. Es ist ein Kreuz. Dabei ist ein hoher Prozentsatz der Fotos doch eher was für den Mülleimer (jedenfalls bei mir). Trotzdem hebe ich die Fotos auf. Meine Frau guckt sie auch mit Vorliebe durch. Schlimm wird es aber, wenn man mit seinen “Erzeugnissen” andere Leute beglückt. Diaabende gibt es zum Glück nicht mehr. Aber bei der einen oder anderen Familienfeier werden, den modernen Möglichkeiten angemessen, die Beamer ausgepackt und los gehts. Die Stimmung ist dann meistens im Eimer. Also etwas mehr Zurückhaltung ist in dieser Frage angebracht. Weniger ist eben immer mehr.
Es gibt ne einfache Methode die Anzahl der Urlaubsbilder zu reduzieren, man sucht sich n paar schöne Bilder raus und crasht ausversehen die Platte mit den Rohdaten, die man eigentlich nochmal in Ruhe durchsehen wollte…
Ich finds auch schrecklich, wenn man bei nem “Diaabend” alle Urlaubsfotos gezeigt bekommt, am besten noch mit studenlangen Erklärungen zu jedem einzelnen Staubkorn das man irgendwo entdecken kann… Selektieren ist Pflicht! und nach dem selektieren sollte man auch gnadenlos den Löschen-Button drücken ;)
Ja, Diaabende (heute gerne mit Beamern durchgeführt) sind schrecklich. Noch schlimmer sind aber Menschen, die einem hunderte von Bildern auf dem Display der Kamera zeigen wollen.
Ich fotografier im Urlaub meist nur an einem oder zwei Tagen gegen Ende des Trips. Dann weiß man schon was wichtig ist.
Gruß und schönen Sonntag noch
Fulano
@Olli Deine einfache Methode habe ich leider schon ein paarmal ausprobiert. Bei mir wird aber meist der Teil gelöscht, den ich eigentlich behalten wollte. :doh:
Ich kann da auch ein Lied von singen. Alleine aus dem letzten Urlaub habe ich 7GB Bilder mitgebracht. Werde es das nächste mal mit deinen Tipps versuchen.
@Sven:Das stimmt mittlerweile kann man selbst bestimmen, ob man es sich antut oder nicht, aber ich finde es schöner ,wenn sich dann jeder für die Fotos interessiert. Den dann hast du genau das erreicht was erstrebenswert ist. Genau die richtige Dosis an Bildern und dazu sind sie auch noch interessant. Es gibt nicht schlimmeres, als wenn das Publikum beim vorführen der Fotos desinteressiert ist und nur so tun muss als wären die Bilder sehenswert.
@Ruben: Ja die Diashow ist noch old school. Eben damals halt. Aber ich habe sie noch miterleben dürfen
Ja das mit der Auswahl der Fotos ist immer schwierig. Mir ist es früher auch schwer gefallen auszusortieren. Mittlerweile bin ich da gnadenlos. Aber was du da aufgezählt hast zeugt davon, dass du dir aber die Bilder noch einmal angeschaut, aussortiert oder nachbearbeitet hast. Damit bis du ja noch im grünen Bereich
@ap: Bei mir sammelten sich am Anfang auch sehr viele Digitale Fotos an. Erst als ich mir eine DSLR gekauft hatte bin ich mehr mit Verstand an die Sache ran gegangen. Jetzt muss ich oft den Kopf schütteln wenn ich mir alte Aufnahmen anschaue. Da sind Bilder dabei, die mich nicht mehr so wirklich interessieren oder einfach keine Aussagekraft haben. Ich habe mir angewöhnt wirklich sehr streng zu sein und lieber mehr als weniger Bilder zu löschen. Wenn man es nicht gleich macht, dann macht man es nie und wenn sich dann mehrere tausende Bilder angesammelt. Ich hatte mir im letzten Urlaub erst überleget, dass wenn ich tausend Bilder mache, wie viel das in analogen Zeiten gekostet hätte. Nicht auszudenken
Heutzutage scheinen aber viele die Qualität der Urlaubes an der Anzahl der gemachten Bilder zu messen.
@Olli: Deine Methode ist dann sozusagen die Hammermethode für unbelehrbare
Ja so etwas ist hart und zeigt auch wieder wie vergänglich digitale Bilder sind. Die besten Urlaubsbilder werden bei mir wie früher entwickelt und das sind dann auch die Bilder, die interessierten gezeigt wird. Auf meinem Computer befinden sich viele Rohdaten, die sonst ausser mir keiner zu Gesicht bekommt. Aber gerade im Urlaub habe ich wieder erlebt, wie manche nur auf Fotojagd sind und einfach drauf los knipsen. Da braucht man sich auch nicht wundern, dass manche Einheimischen auch schon genervt. Teilweise werden auch Tabus gebrochen und selbst wenn Fotografieren nicht erwünscht ist wird fotografiert. Man könnte ja was verpassen.
@Fulanos Worte: Oje auf dem Display schaue ich mir eigentlich nur mal schnell die Bilder an um zu kontrollieren. Alles andere macht keinen Sinn und auch ungeeignet. Ich habe das ja schon ein paar Jahre beobachtet. Hatten so 2000 nur wenige eine Digitalkamera, so waren es in meinem letzten Urlaub fast jeder. Teilweise wurde ausschliesslich fotografiert und viele haben ihren Urlaub nur auf dem Display erlebt
Im Grunde darf ja jeder machen was er will und wie er es für richtig hält, aber wenn man daheim dann noch andere mit den vielen Fotos “belästigt”, dann grenzt es teilweise schon an Folter. Da braucht man sich auch nicht wundern, wenn dann auf einmal viele keine Zeit haben, wenn man seine Fotos zeigen will
@Gilly: 7 GB sind nicht schlecht. Wenn du viel in RAW fotografierst kommt es auch schnell zusammen. Ich habe auch fast 7 GB an Bildern. Aber viele sind für HDR oder Panos. Manchmal mache ich auch schon mehrere Bilder von einem Ort, weil ich mich noch nicht gleich für die richtige Perspektive entscheiden kann. Daheim wird dann aber nur eine Version ausgesucht und der Rest gelöscht. So kann es auch mal sein, dass aus 7 GB nur 2 GB übrig bleiben. Ich habe einen Kollegen, der ist noch härter mit sich. Obwohl er eine tolle und teuere Spiegelreflex hat kommt er nie mit mehr als 30 Bildern aus dem Urlaub. Er löscht da wirklich gnadenlos. Aber das ist mir dann auch zu heftig.
manchmal ist es richtig schwer sich dran zu halten. aber ich versuche, nach dem urlaub die fotos wirklich auszusortieren, dann bleiben immer noch locker 2, 3 hundert über, dann sortiere ich die aus, die ins blog kommen und das wars dann. aber du hast recht. in ein paar jahren werde ich wohl nichts mehr finden in diesem datensalat, solange ich es nicht eh schon durch neue computer und festplatten im sicherungschaos verloren hab.
In meinem letzten Urlaub habe ich die Fotokamera oft beiseite gelegt und all diese Probleme waren weg. Dennoch habe ich meinen Camcorder gegriffen und dieses, wie ich finde, peppige Video zusammengeschnitten.
@Paleica: Ja das ist das Hauptproblem mit dem Datensalat und das man am Ende so viele Bilder hat, dass man überhaupt nicht mehr durchblickt und die schönsten Aufnahmen dann einfach untergehen. Daher finde ich es wichtig einfach zu sortieren. Früher fiel mir das auch viel schwieriger aber mit viel Disziplin geht es
@Nils: Geiles Video. Da hast du genau alles richtig gemacht. In nicht einmal 5 Minuten deine Reise zusammen gefasst und man sieht sofort, dass ihr einen coolen Urlaub hattet. Das macht Lust auch so eine Reise zu machen. Echt perfekt
Den Fehler mit den vielen Fotos mache ich auch gerne. Ich knippse und knippse und knippse wieder. Stört mich aber nicht wirklich. Ich denke es mir immer so: Lieber zu viele Fotos als zu wenig, aussortieren kann ich ja immer noch.
Gruß
Thomas
Die Quintessenz des letzten Urlaubs habe ich in ein 44-Seiten-Fotobuch gebracht. Aus den paar hundert Fotos sind so die besten 180 ausgesucht. Einerseits für uns – so schaut man da auch gerne mal wieder rein – und andererseits macht das Zeigen so viel mehr Spaß. Bisher war noch niemand genervt.
@Thomas: Ich habe mir aber dennoch schon angewöhnt so viele Fotos wie möglich gleich vor Ort zu löschen, weil ich daheim dann auch nicht so viel Zeit habe ewig lange auszusortieren. Ausserdem fällt einem zuhause die Wahl noch viel schwerer.
@derherry: Du hast ja auch alles richtig gemacht. Viele machen sich ja nicht mal die Mühe Fotos auszusortieren. Da werden alle Bilder gnadenlos präsentiert und sind so noch so schlecht. Solche Fotobücher sind wirklich eine toller Erfindung und gerade weil sie nicht ganz so billig sind macht man sich auch mehr Gedanken, was da überhaupt rein kommen soll.