Einfach und schnell Kissenverzerrung, chromatische Aberration und Vignettierungen aus Bildern entfernen
Gerade bei der Fotografie von Gebäuden und Städten gibt es nichts ärgerlicheres als fallende Linien und Kissenverzerrungen. Besonders im Weitwinkel Bereich fällt das besonders negativ auf. Durch die Verwendung von teuren Objektiven kann man zwar die Kissenverzerrung minimieren, aber die fallenden Linien hat man immer, wenn man aus einer ungünstigen Perspektive fotografiert.
Heute möchte ich euch ein kleine Programm namens PTLens vortstellen mit dem man dieses Problem umgehen kann. Das besondere an PTLens ist, dass dieses Tool so einige tolle Features hat und dennoch sehr günstig ist.
Ich hatte mal im April letzten Jahres in Frankfurt ein Bild von der alten Oper gemacht:

Man sieht hier ganz klar, wie unglücklich der Winkel bei der Aufhnahme des Bildes gewählt wurde. Ich stand hier eindeutig zu nah am Gebäude
Jetzt könnte man das Hochhaus in der linken Ecke raus schneiden und das Bild noch ein bisschen in Lightoom drehen. Aber das Ergebnis wird immer unbefriedigend sein.
Hier kommt jetzt PTLens ins Spiel
Im ersten Schritt wählt man ein Motiv aus der Dateiliste auf der rechten Seite aus. Das Programm ist beim Bildformat nicht sehr wählerisch. JPG, DNG und TIFF Bilder konnte ich bis jetzt problemlos öffnen.

Das Bild wird auf der linken Seite angezeigt. Aus dem Exif Daten liest das PTLens die Objektivdaten aus und korrigiert automatisch entsprechend die Kissenverzerrung. Das Programm kennt sehr viele Linsen. Ich hatte bis jetzt noch kein Objektiv, dass nicht erkannt wurde.
Mit den Schiebreglern in der Mitte kann man die Perspektive ändern. Hier kann man das Bild nach vorne und hinten, nach links und rechts neigen und drehen. Hier braucht man ein bisschen Geduld und muss abwechselnd ein bisschen an den Schiebereglern drehen bis das Bild gerade ist

Leider hat man durch das Neigen des Bildes an den Rändern auch einen Verlust der Bildinformationen. Bei meinem Beispiel sieht man, dass auf der linken Seite kein Hochhaus mehr vorhanden ist. In diesem Fall ist es nicht schlimm, da ich es eh nicht auf meinem Motiv haben wollte. Aber man sieht auch im oberen Teil des Bildes, dass die Figur schon an den obersten Rand gerutscht ist. Um das Bild komplett gerade zu bekommen hätte ich es noch mehr vertikal neigen müssen. Aber dann wäre eben auch die Statue nicht mehr komplett zu sehen. Ich habe mich daher für den Kompromiss entschieden, dass es weiterhin ein bisschen Krumm bleibt.
Wer möchte, der kann auch mit dem Programm einen Fischaugeneffekt erstellen. Der übertrieben etwa so aussieht:

Vignettierungen und Chromatische Aberrationen können mit PTLens ebenso entfernt werden. Dafür gibt es in der Mitte die entsprechenden Reiter und Schieberegler. Ich lasse diesen Schritt hier aber aus und drücke direkt auf dem “Ausführen” Button in der rechten unteren Ecke. Da ich das Bild noch in Lightroom weiter bearbeiten will habe ich das Programm so eingestellt, dass es eine verlustfreie TIFF Datei erstellt. Wahlweise kann man natürlich auch in jpg speichern. Dann ist das Bild nicht 100 MB groß
Zum Abschluss habe ich das Bild noch in Lightroom beschnitten und so bearbeitet, dass die Belichtung und Farben stimmen

Das Endergebnis schaut nun wie folgt aus:

Wie man sieht ist es noch nicht perfekt. Es wirkt immer noch etwas krumm und schief und man sieht auch immer noch eine Trapezförmige Verzerrung, aber viel besser als das Ausgangsbild. Dieses Beispiel soll aber auch die Grenzen von PTLens zeigen. Für die perfekte Bearbeitung würde man hier tatsächlich dann doch eher Photoshop brauchen. Damit könnte man dann z.B. auch den störenden Kranarm raus stempeln.
Mein Fazit zu PTLens
Wer wie ich kein Photoshop hat kann mit PTLens einfach und schnell kleinere bis mittlere Verzeichnungen von Objektiven beseitigen. 25 Dollar sind für das Programm echt ein schnäppchen. Vergleichbare Programme wie DxO Optics Pro kostet mit 299 Euro ein klein wenig mehr. Auf der Webseite des Autors kann man sich eine Testversion für Windows und OSX herunter laden. Diese Version ist nicht zeitlich begrenzt und kann daher unbegrenzt getestet werden. Einzige Einschränkung ist, dass man nur 10 Bilder speichern kann.

Starkes Programm muss ich nachher unbedingt mal ausprobieren und 25 € sind echt nicht zuviel!
Danke für die Erläuterung!
Gruß
Matthias
@Matthias: Es ist sogar noch billiger. Kostest 25 Dollar. Das sind im Moment um die 17,50 Euro. Das Geld ist auf jeden Fall gut angelegt. Auch wenn du damit sicher nicht jedes Foto nachbearbeiten wirst. Aber gerade wenn man Häuser mit geraden Linien Fotografiert ist es Gold wert
Klasse Programm! Auch die Testversion finde ich genial. Keine Zeitbegrenzung findet man heutzutage nicht mehr so oft. Zum testen also ideal! Habe es mir mal zum testen sofort runtergeladen.
Christian
Cooler Programmtipp. Werde ich auch mal bei Gelegenheit testen.
Aber noch einen Hinweis zum Artikel: Der Button “Ausführen” ist in meinen Augen rechts unten und nicht links unten ;)
@Christian: Stimmt so eine Beschränkung findet man selten. Meist sind es 30 Tage und wenn man die nicht gleich am Stück Zeit hat zu testen, dann steht man blöd da. Mit 10 mal speichern kann man leben und selbst wenn man diese Anzahl überschritten hat kann man immer noch Bilder bearbeiten und testen und spielen.
@Florian: Danke für den Hinweis auf den Fehler. Habe ich sofort ausgebessert
Interessantes kleines Programm und dann auch nicht mal so teuer..Danke für den ausführlichen Test..
Hmmm… wollte es gerade testen, aber mein ZoneAlarm schlägt Alarm und sagt mir das die Downloaddatei nicht ungefährlich für mein System ist und die Heuristik auf eine gefährliche Datei hindeutet. Gibt es dafür eine plausible Erklärung? Würde es mir schon gern ansehen.
@Mike: Das ist seltsam. Also wenn du es von der offiziellen Seite herunter geladen wurde, dann besteht absolut kein Problem. Wieso Zonealarm aber bei dir anschlägt kann ich dir auch nicht beantworten.
Hallo zusammen, habe auch dieses Programm erworben. Bei einigen Bildern sind gravierende Veränderungen zu beobachten. Allerdings habe ich zudem festgestellt, dass die MB extrem weniger werden. Z. B. von 4,9 auf 1,5 MB. Bedeutet das nicht zuletzt einen enormen Datenverlust? Selbst bei Fotos, die sich nicht verändern, verringen sich die MB. Was bedeutet das letztlich für die Bildqualität? Danke im Voraus. Gruss
@georgefantasie: Wenn du die Bilder als jpg Speicherst werden diese natürlich entsprechend komprimiert und auch kleiner. Man kann die Dateien Verlustfrei als Tiff Speichern. Allerdings werden dann die Bildr sehr groß. 100MB und mehr sind da keine seltenheit. Aber unerlässlich, wenn du Sie in einem Bildbearbeitungsprogramm weiter bearbeiten möchtest. Erst zum schluss als JPG speichern und den Komprimierungsgrad nicht zu hoch wählen.
hombertho, danke für Deine Antwort. ich werde mich mit der Thematik etwas intensiver befassen. Grüße