11. November 2010
Gastartikel

Wahre Liebe – Ein Ausflug in die Typografie

Bild Gastautor

Dies ist ein Gastartikel von Manuela, in dem Sie euch Ihre Liebe zur Typografie näher bringen möchte.
Manuela ist Mediengestalterin und interessiert an allem Schönen im Leben - vor allem fasziniert von ihrem Mac :-)
Ihren Blog emotions & reasons betreibt Sie seit 2 Jahren und füllt diesen wenn Sie Zeit hat mit lesenswerten Artikeln.


Sie sind alle unterschiedlich, es gibt dicke, dünne, schmale, hohe, gedrungene, ausladende, große, kleine. Und doch sind alle gleich:

Sie sprechen mit uns. Sie erzählen Geschichten. Sie haben Geschichte geschrieben. Ägypter, Phönizier, Römer, Karolinger …

Sie sind zauberhaft, geheimnisvoll und doch alles-sagend. Sogar wenn sie gar nicht da sind, sagen sie etwas aus.
Buchstaben. Lettern.  Dufte Typen.

Ich liebe sie. Ihre Formen, ihre Vielfalt. Ihren Anmut.

Nimm eine Serifenschrift, z.B. die Times.

Schau dir das A an. Siehst du seine schmalen Beinchen? Es steht auf herrlichen Füßen, zart, weich und doch ganz fest auf beiden Beinen. Das A ist der Anfang des Alphabets. Wer A sagt, muss auch B sagen …

Ich bevorzuge jedoch serifenlose Schriften. Klare Linien, einheitliche Strichstärke, Eleganz. Die Gill Sans. Eine serifenlose Linear-Antiqua, zwischen 1928 und 1930 von Eric Gill entworfen. Für mich ist sie einfach nur schön.

Mein liebster Buchstabe ist das kleine g. Verspielte Bögen, die jedoch rein geometrisch erstellt sind. Nimm dir eine Lupe und verliebe dich! Schöne Rundungen, schlank und anmutig.

Buchstaben sind mehr als Zeichen. Wie filigrane Schmetterlinge fliegen sie über das Blatt Papier/den Monitor. Heben und senken ihre Flügel, setzen Worte, Sätze und ganz Abschnitte. Kapitel und Bücher entstehen. Was liest du gerade? Schau dir die Schrift an. Passt die benutze Schrift zur Stimmung des Buches oder Textes? Wie empfindest du die einzelnen Buchstaben? Sind es nicht richtige Kunstwerke? Funktionell und schön zugleich. Strich für Strich, mit oder ohne Füßchen, Rundungen, gerade Linien …

Punze. Was für ein toller Name. Punze ist die Bezeichnung für Buchstabeninnenräume. Kaum ein Buchstabe hat keine Punze. Sie sind wichtig. Sie halten den Buchstaben zusammen, wie die Löcher den Käse.

Wie sagt man so schön? „Bilder sagen mehr als tausend Worte.” Worte rufen Bilder hervor. Was siehst du, wenn du das Wort „Zucker” liest? Schmeckt es schon süß auf deiner Zunge? Siehst du die Kristalle glitzern? Und wie schmeckt dein Kaffee? Na, Appetit?

Semantische Typografie. Zeichen setzen. Worte finden.

Ich liebe sie alle. Die Arial, die Bauhaus, die Century Gothic, Courier, Didot, Garamond, Helvetica, Lucida, Myriad, Optima, Verdana …

Wahre Liebe, die mich ständig begleitet.

Jedes Wort ist wie ein Kunstwerk und als solches einem lebenden Organismus ähnlich. Der einzelne Buchstabe trägt den Formwillen des Ganzen in sich, so wie jede einzelne Zelle um den Plan des Ganzen weiß. Der einzelne Buchstabe ist also Teil des gesamten Kunstwerkes und muss selbst sein wie dieses.” Johannes Boehland, deutscher Maler und Grafiker.

In diesem Sinne: das Wort lebt!

Buchempfehlungen zur Typografie

Die kleine Serifee

Eine märchenhafte Reise durch die Welt der Buchstaben. Hier lernt der Leser Schriften kennen und lieben. Auf der Suche nach dem verlorenen Flügel durchquert die kleine Serifee den Garamond-Wald, Futura-City und andere grafische Inszenierungen. Ab 8 Jahre, aber durchaus für ältere lesenswert.
Renè Siegfried
ISBN 978-3874396981
Verlag Hermann Schmidt Mainz
14,80 Euro

Zeichen setzen. Satzwissen und Typoregeln für Textgestalter

Ralf Herrmann
mitp
ISBN 3-8266-1572-7
22,95 Euro

Typografie kompakt. Vom richtigen Umgang mit Schrift am Computer

Geschichte, Einsatz, Tastaturbelegung unter Windows und Mac OS X.
Max Bollwage
x.media.press
springer
ISBN 3-540-22376-2
22,95 Euro


Trackbacks {1}

  1. acidix


    Ein Video zum Thema … ;)


  2. ich liebe sie auch. und es stimmt – man kann damit richtige kunstwerke schaffen. damit könnte ich mich auch mal beschäftigen, das gefällt mir. aber weißt du, was ich noch mehr liebe? handschrift. denn handschrift verrät soviel über die persönlichkeit.

  3. JürgenHugo


    Jaaa – liebe @Manuela, is ja nich schlecht. Mal was ganz anderes, das mit der Schrift. Aaber: ich hab was zu meckern! :-)

    “Ich liebe sie alle” – das ist ja schön und gut – aber man kann eben nicht alle haben…und damit meine ich die Schriften auf dem Comp. Installiert sind da einige Hundert Fonts – vorrätig hätte ich noch 12000+ Fonts.

    Benutzen tu ich aber nur ein paar: Arial, Segoe UI, Lucida Console (Editor) z.B. Welche Schriften nutzt du denn am Comp am meisten – und welche wofür? Hmm? Da könnt ich mir ja evtl. Anregungen holen, und mal was neues probieren. Is das geheim, oder sagst du es mir? :-)

  4. feelsogood


    ich persönlich bin ein Fan von Verdana!

    Ist etwas geschmeidiger als Arial.
    An der Arbeit muss ich allerdings eine nichtproportionale Schriftart
    verwenden. Kennt da jemand eine vernünftige klar einfache Schrift ohne viel Schnörkel?

  5. Jol


    Ich liebe Myriad Pro, die Apple-Schriftart :-D :cool:

    Außerdem finde ich Arial am schönsten, schlicht und gut lesbar. Times New Roman gefällt mir nicht, ich bin kein Fan von Serifen :D

  6. hat zuletzt gebloggt: Es blüht!

    Feines Video, was, wenn ich es richtig verstanden habe, darauf basiert, dass manche glauben, die Arial ist eine Kopie der Helvetiva nur ein bisschen abgewandelt. Tatsächlich sind die beiden Schriften wirklich verschieden.

    @Paleica: :-) Ich mag es auch mit der Hand zu schreiben und habe dafür auch einen schönen Füller. Nette Briefe an besondere Leute schriebe ich dann eben mit der Hand. Das ist persönlicher. Und sagt natürlich viel über die Persönlichkeit aus, stimmt.
    Aber auch jede Computerschrift, die man für seine Zwecke nutzt, sollte etwas aussagen über die Person/die Institution, die sie benutzt. Die Times z.B. ist klassisch, bodenständig, seriös.
    Wer übrigens seine eigene Handschrift am PC benutzen möchte, kann sie mit dem Programm YourFonts umwandeln. Ich habe es noch nicht ausprobiert, kann deshalb nichts über die Qualität der Ergebnisse oder über den Einsatz in allen Programmen sagen. http://www.chip.de/downloads/Y.....98488.html

    @JürgenHugo: man muss sie auch nicht alle haben … ;-) Mein Artikel befasst sich aber auch weniger mit dem richtigen Einsatz von Schriften, sondern eher mit meiner Schwäche für Buchstaben, Worte und eben Schrift im Allgemeinen. Ich persönlich bevorzuge, wie auch schon erwähnt, für meinen Kram die Gill Sans, weil sie so schön leicht, schnörkellos und gut zu lesen ist. Die ist bei mir auch im Firefox als Standardschrift eingestellt.
    Die Funktion benutze ich auch gerne. Die Arial benutze ich nur, wenn es sein muss, z.B. für Internetseiten, bevorzuge da allerdings die Verdana (@feelsogood), die perfekt für digitale Medien ist.
    Ich mag Serifen als Kunstobjekt, zum Dekorieren von Texten oder Grafiken, aber nur minimal eingesetzt. Nicht als Text-Schrift (Brotschrift oder Copy).
    Ansonsten kommt es immer darauf an, was man damit schreibt, was es aussagt, welches Image es rüberbringen soll und wie die Schrift zur Gestaltung passt. Typografie ist ein sehr komplexes Thema mit Richtlinien, Gestaltungsgrundlagen und do-nots. Aber auch hier gibt viele unterschiedliche Meinungen von wirklichen Kennern und Experten. Ein wenig hilfreich ist Wikipedia, wobei mir hier der Einsatz der Schriften ein wenig zu lasch abgehandelt ist …
    http://de.wikipedia.org/wiki/DIN_16518
    Und was gar nicht geht – in Anschreiben und geschäftlichem Briefverkehr – ist die allerorts verschmähte Comic Sans.
    Wichtig ist, dass Schrift nach Funktion (Druck oder digital) eingesetzt wird (gute Lesbarkeit), dass sie die Aussage (inhaltlich, aber auch das Image) unterstützt und zum Gesamtbild passt.
    ICH würde keine Bewerbung oder so in der Times schreiben, für andere ist sie ideal.
    … und ich schriebe viel ;-)

  7. hat zuletzt gebloggt: Es blüht!

    ..ach, und die Seite ist auch sehr interessant: http://www.100besteschriften.de/6_Times.html

  8. JürgenHugo


    Und welche von den 100 Schriften benutzt du am Computer?

  9. hat zuletzt gebloggt: Es blüht!

    Am PC schreibe ich so gut wie nie, am Mac gestalte ich, da spielt Schrift eine große Rolle. Und da ist sie primär Gestaltungselement. Kommt eben immer darauf an, was daraus werden soll.

  10. JürgenHugo


    Ooch – die Gill Sans kostet ja, grummel.


  11. Kiff mal weniger. ;o)

    Arial, hmm. Arial ist auch nur eine verschnittene Helvetica. Schade drum. Ich mag Microsofts “Segoe UI” (das ebenfalls nur eine schlechte Kopie ist, dennoch); wenn es nur nicht auf jeder zweiten Webseite zu sehen wäre.


  12. @JürgenHugo: wird die Gill nicht im Mac OS X mitgeliefert?
    Also ich habe nur nicht alle Schriftschnitte.

  13. JürgenHugo


    @manuela: eine hervorzügliche Idee! – gleich hab ich auf meinem 2.-gerät mal nachgeschaut. Taaatsächlich: die Gill Sans is da. Ich hab sie mir gleich zum PC rübergeschoben und instaliert – da kann ich sie mal ausprobieren. Danke!

    @tux: ich mecker ja an vielem – aber du meckerst an allem…n.b.: ich trink schon mal ein Bier/Brandy, aber (sonstige) Drogen irgendwelcher Art hab ich noch nie genommen. :-) Außer “normalen” Zigaretten, die paff ich auch weiter…


  14. Ich meinte nun eher den Schreiber.


  15. och mir ist das so gut wie egal


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